Luftfahrt: Die Rechnung hat Lücken
Milliardenschwere «Subventionen» der Luftfahrt? Regine Sauter widerspricht in der NZZ. Neue Steuern könnten Verkehr ins Ausland verlagern und die Anbindung Zürichs schwächen. Eine vollständige Bilanz fehlt.

Die Steuerregeln des internationalen Luftverkehrs werden regelmässig als milliardenschwere «Subventionen» dargestellt. Regine Sauter, Präsidentin von Aviation Suisse, hält in ihrem Gastkommentar in der NZZ vom 12. Oktober dagegen: Nicht jede nicht erhobene Steuer ist automatisch eine Subvention. Die Befreiung des Flugtreibstoffs von der Mineralölsteuer beruht auf Luftverkehrsabkommen. Treibstoff für reine Inlandflüge ist grundsätzlich steuerpflichtig.
Zur fiskalischen Bilanz gehören zudem die bestehenden Steuerbeiträge. SWISS und die Flughafen Zürich AG tragen als Steuerzahler zur Finanzierung der öffentlichen Hand bei. Allein die Flughafen Zürich AG wies in ihrer Jahresrechnung 2025 direkte Steuern von 76,5 Millionen Franken aus. Bei den SBB ist die konzessionierte Transporttätigkeit dagegen von Gewinn- und Kapitalsteuern befreit. Auch diese Unterschiede gehören in die Subventionsdebatte.
Ein weiterer blinder Fleck liegt in der Berechnung. Die kritisierte Studie von EPFL und Universität Lausanne bezeichnet ihre Berechnung zum Luftverkehr selbst als grobe Schätzung. Sie berücksichtigt nicht, dass Reisende auf andere Flughäfen ausweichen könnten.
Weniger Verkehr ab Zürich bedeutet deshalb nicht automatisch weniger Verkehr insgesamt. Zusätzliche nationale Steuern können Nachfrage nach Mailand oder an andere europäische Drehkreuze verschieben. Zürich droht dabei, direkte Verbindungen und Wertschöpfung zu verlieren, ohne dass die Emissionen im erwarteten Umfang sinken.
Für den Standort ist das zentral. International tätige Unternehmen, Hochschulen, Tourismus, Hotellerie, Kultur und internationale Organisationen sind auf verlässliche Verbindungen angewiesen. Die Anbindung lässt sich nicht beliebig schwächen, ohne die Wettbewerbsfähigkeit zu treffen.
Auch die Luftfahrt muss ihre Emissionen reduzieren. Massnahmen sind aber an ihrer tatsächlichen Klimawirkung zu messen. Eine belastbare Bilanz muss zudem die Kosten für die Erreichbarkeit erfassen. Die Etikette «Subvention» ersetzt diese Prüfung nicht.


