Ein Angriff auf die Anbindung
Fluglärmgegner fordern neue Einschränkungen. Dabei schützt Zürich die Nachtruhe bereits besonders streng. Weitere Einschnitte gefährden die Anbindung der Schweiz.

Der Verein Fluglärmsolidarität wirft dem Bund vor, nächtliche Grenzwertüberschreitungen zu dulden. Wie der «Zürcher Unterländer» vom 7. Oktober berichtet, fordert er die Vorverlegung später Starts oder die Streichung entsprechender Slots. Die Einhaltung von Grenzwerten ist ein berechtigtes Anliegen. Die vorgeschlagenen Eingriffe hätten jedoch Folgen, die weit über die Flughafenregion hinausreichen.
Zürich verfügt bereits über die strengste Nachtruhe aller vergleichbaren europäischen Drehkreuze. Seit 2000 wurde sie um insgesamt zwei Stunden verlängert. Heute gilt die Nachtflugsperre von 23.30 bis 6 Uhr. Die halbe Stunde davor dient ausschliesslich dem Verspätungsabbau. Sie gehört zur vom Bund festgelegten Betriebszeit und ist für einen verlässlichen Flugbetrieb entscheidend.
Die Forderungen treffen die Airline SWISS und ihr Drehkreuzsystem direkt. Kurz- und Mittelstreckenflüge bringen Reisende in zeitlich abgestimmten Wellen nach Zürich. Dort steigen sie auf Langstrecken um. Diese Bündelung ermöglicht Direktverbindungen, für die die Nachfrage aus dem Schweizer Markt allein nicht ausreichen würde. Werden Abendflüge vorverlegt, fallen Umsteigeverbindungen weg. Damit verlieren Langstrecken ihre wirtschaftliche Grundlage. Für weitere Verkürzungen des bereits engen Betriebsfensters fehlt der Spielraum.
Auch der Bund warnt vor dem ersatzlosen Verlust solcher Verbindungen. Er hat zusätzliche Betriebseinschränkungen geprüft und verworfen. Das ist eine Abwägung der Interessen des ganzen Landes. Das Drehkreuz ist kein Selbstzweck. Unsere Exportwirtschaft, die Forschung, der Tourismus und internationale Organisationen sind auf eine gute internationale Anbindung angewiesen. Eine Schwächung von SWISS würde deshalb die Erreichbarkeit der Schweiz insgesamt treffen.
Auch in der Flughafenregion trägt die Bevölkerung die heutige Regelung. Gemäss einer repräsentativen Umfrage von Sotomo beurteilen sie 49 Prozent der Befragten rund um den Flughafen Zürich als genau richtig und 26 Prozent als zu strikt. Damit sehen 75 Prozent keinen Bedarf für eine Verschärfung. 8 Prozent empfinden Fluglärm als sehr belastend; 66 Prozent als eher nicht oder gar nicht belastend. Diese Befunde widersprechen dem Bild einer Flughafenregion, die unter den heutigen Bedingungen generell leidet.
Die Anwohnenden schätzen stattdessen die Qualitäten ihres Wohnortes: 91 Prozent bewerten die Verkehrsanbindung positiv, 85 Prozent das Dienstleistungsangebot. Mehr als ein Drittel nutzt die Angebote im und um den Flughafen mehrmals pro Monat, auch ohne Flugreise. Der Flughafen ist damit im Alltag der Region verankert. Das anhaltende Bevölkerungswachstum passt zu diesem Bild. Die Flughafenregion boomt wie keine andere Region in der Schweiz. Die Menschen lieben es, da zu leben.
Das soll kein Freipass sein – wo möglich soll der Lärmschutz verbessert werden. Betriebliche Massnahmen wirken bereits: Zwischen 2023 und 2025 sank die Zahl der Flugbewegungen nach 23 Uhr um rund 20 Prozent, während die Passagierzahl um 13 Prozent zunahm. Weitere Fortschritte ermöglichen leisere Flugzeuge, effizientere Abläufe und die beschlossenen Pistenverlängerungen. Diese Verbesserungen gilt es voranzubringen. Die internationale Anbindung mit zusätzlichen Betriebseinschränkungen zu schwächen, wäre dagegen der falsche Weg.


